Nun, eigentlich hatte ich nicht vor, mich hier zu registrieren, aber was solls:
@ Wusel_Fluse:
Was dich ueberzeugt oder nicht und insbesondere, ob du diese Petition unterstuetzt oder nicht, ist die natuerlich freigestellt.
Dazu sei aber zu sagen, dass sich die Massenmedien leider viel zu sehr auf die Aussagen von v.d.L. und Co. konzentrieren, die Gegenstimmen aus dem Expertenkreis aber groesstenteils unter den Tisch fallen lassen - wenn auch nicht wie v.d.L. mit dem rhetorisch ausserordentlich wertvollen Kommentar, dass diese "unterirdisch" seien: Stimmt, DAS hat mich ueberzeugt, Frau v.d.L.; vielen Dank, dass Sie mir dieses klargemacht haben.
Es gibt vielerlei Quellen, die schon vor der Petition genau belegten, was diese Petition aussagt. Dies sind im Prinzip zwei Punkte:
- Das gewaehlte Mittel ist nicht geeignet, den gegebenen Zweck zu erfuellen.
- Es schafft aber ein Instrumentarium und ebnet den Weg fuer dessen Erweiterung, das geeignet ist, beliebige Seiten zu zensieren. (Und es werden jetzt schon Rufe nach der Erweiterung laut: Gluecksspiele, gewaltverherrlichende Seiten (siehe [1]), ...)
Dabei kommen mehrere Hauptargumente ins Spiel, die auch im zur Petition gehoerenden Diskussionsforum oft verwendet werden:
- Die Sperre kann mit geringem Know-How leicht umgangen werden. (Dabei ist zu erwarten, dass sich dieses genauso herumspricht wie die Umgehung der YouTube-Sperre in der Tuerkei, von der sogar Regierungsvertreter offen vor der Presse zugeben, dass sie diese umgehen.)
- Auch dass das Argumentationsgeruest von v.d.L. im wohlwollendsten Fall auf einer Reihe von Missinterpretationen der Daten basiert, geht aus [1] hervor.
- Ueber 90% der Eintraege der Listen stehen in Australien, Westeuropa oder den USA. Es waere also viel einfacher, direkt die Server abzuschalten und die Betreiber zur Verantwortung zu ziehen, als zu versuchen, das Netz zu filtern (noch dazu mit einer unwirksamen Massnahme), wie ein Versuch der Organisation Carechild ergab: Von 20 Seiten auf der Sperrliste waren nach drei Tagen sechszehn gesperrt, drei weitere Seiten konnten - z.B. durch Alternsnachweise fuer die abgebildeten Modelle - glaubhaft nachweisen, dass die verbreiteten Medien nicht illegal sind: Spaetestens an dieser Stelle ist der Begriff der Zensur nicht mehr von der Hand zu weisen. Wir stellen desweiteren fest: Statt die Seiten aus dem Netz entfernen zu lassen, schiebt man lieber einen Vorhang davor, den jeder selbst beiseite schieben kann, so er es denn wuenscht.
- Aber wie dagegen vorgehen? Im Gesetzesentwurf ist kein Weg vorgesehen, wie faelschlich gesperrte Seiten jemals wieder entsperrt werden koennten.
- Und das nur zusaetzlich zu dem Faktum, dass die Listen rein willkuerlich aufgestellt werden koennen: Es findet keinerlei Kontrolle der Listen statt. Nicht einmal eine zweite Pruefung durch einen Richter ist vorgesehen, bevor eine Seite weg ist. Es bleibt also nur der gute Glaube daran, dass das schon so seine Richtigkeit hat, was mit der Liste passiert. Ich erinnere in diesem Zusammenhand an das hochheilige Versprechen, dass die Onlinedurchsuchung nur zum Zwecke der Terrorbekaempfung durchgefuehrt werden wuerde.
- Es ist also fraglich, was auf diese Liste kommt. Es geht noch weiter: An der Stoppseite wird die Beweislast umgekehrt: Jeder, der nicht zweifelsfrei BEWEISEN kann, dass sein Besuch der Stoppseite ein Versehen war, gilt automatisch als verdaechtig. (Ebenfalls siehe [1]).
- Nur noch am Rande: Etliche dieser \"unterirdischen\" Experten haben uebrigens darauf hingewiesen, dass der Grossteil des Kinderpornohandels gar nicht ueber das Web ablaeuft, sondern ueber Tauschboersen, das Usenet und vor allem den guten alten Postweg. Damit waere es also wesentlich konsequenter, auf eine Postsperre samt Ueberwachung zu pochen.
Und wenn sich sogar schon Opfer von Kindesmissbrauchs
dagegen stellen ...
Weitere Quellen:
[1]
http://www.heise.de/ct...ns-Leere--/artikel/135867
[2]
http://www.jensscholz....rum-es-um-zensur-geht.htm
[3]
http://www.tagesschau....nland/stoppschild100.html
Wem das noch immer nicht reicht, der wird - gerade bei Heise - auch in den weiterfuehrenden Links schnell fuendig.
Wie eingangs gesagt: Wer nicht der Meinung ist, die Petition unterzeichnen zu wollen, der muss das selbstverstaendlich auch nicht tun. Ich bitte aber jeden, sich wenigstens ein eigenes Bild ueber die Situation zu machen, das nicht nur die Meinung der populistischen Fraktion einbezieht.
Jedem, der zumindest das tut, ob er dann mitzeichnet oder nicht, spreche ich an dieser Stelle schon meinen Dank aus.
- Simon Stienen